Strände und Natur auf Nauru – Ein Paradies im Pazifik
Nauru ist weit mehr als nur die kleinste Republik der Welt – die Insel im Zentralpazifik besticht durch eine überraschend vielfältige Natur, die darauf wartet, entdeckt zu werden. Auf einer Fläche von nur 21 km² vereint Nauru weiße Sandstrände, türkisfarbenes Meer, eine faszinierende Unterwasserwelt, üppige Lagunenvegetation und eine bizarre Karstlandschaft. Wer Nauru besucht, wird schnell feststellen, dass dieser winzige Inselstaat ein unvergessliches Naturerlebnis bietet – fernab von Massentourismus und ausgetretenen Pfaden.
🏖️ Anibare Bay – Naurus schönster Strand
Die Anibare Bay an der Ostküste Naurus ist mit Abstand der schönste Strand der Insel und ein absolutes Muss für jeden Besucher. Auf einer Länge von etwa 1,5 Kilometern erstreckt sich hier feiner, weißer Korallensand, der sanft ins türkisfarbene Wasser des Pazifiks abfällt. Die Bucht liegt zwischen den Distrikten Anibare im Norden und Ijuw im Süden und ist der einzige wirklich zusammenhängende Sandstrand der Insel.
Anders als viele andere Pazifikstrände ist die Anibare Bay auch während der Hauptreisezeit angenehm ruhig und menschenleer. Das kristallklare Wasser und die sanfte Brandung machen sie zum perfekten Ort zum Schwimmen, Schnorcheln und Sonnenbaden. Die Korallenriffe direkt vor der Küste bieten eine beeindruckende Vielfalt an tropischen Fischen – Papageienfische, Doktorfische, Falterfische und gelegentlich auch Meeresschildkröten sind hier zu Hause. Besonders in den Monaten Mai bis Oktober, wenn der Passat nachlässt, ist die Sicht unter Wasser mit 15 bis 30 Metern hervorragend.
Surfen an der Anibare Bay
Für Surfer ist die Anibare Bay ein echter Geheimtipp. Die nach Osten geöffnete Bucht empfängt direkten Dünungsschub aus dem Pazifik und bietet vor allem in den Monaten November bis Februar konsistente Wellen von 1 bis 2 Metern Höhe. Es handelt sich überwiegend um Riffbrecher (Reef Breaks) vor der Nord- und Südseite der Bucht. Wichtig zu wissen: Es gibt auf Nauru keine Surfschulen oder Surfshops – Surfer müssen ihre gesamte Ausrüstung selbst mitbringen. Auch Rettungsschwimmer sind nicht im Dienst, und die Strömung kann besonders bei Flut stark sein. Geübte Surfer werden jedoch mit unvergesslichen Wellen in tropischer Kulisse belohnt.
🏄♂️ Surftipps für die Anibare Bay
Beste Zeit: November bis Februar (Südost-Passat). Wellenhöhe: 1–2 m. Ausrüstung: Eigenes Board mitbringen (keine Verleiher vor Ort). Vorsicht vor Riffkontakt – Korallen sind scharf. Beachten Sie die starken Gezeitenströmungen.
🌊 Weitere Strände und Badeplätze
Neben der Anibare Bay gibt es auf Nauru einige weitere lohnenswerte Bade- und Strandplätze:
- Capelle Beach (Südküste): Ein kleiner, aber feiner Sandstrand in der Nähe des ehemaligen Capelle-Hafens. Einst Industriegebiet, ist der Strand heute wieder sauber und bei Einheimischen als Ort zum Schwimmen und Entspannen beliebt. Besonders schön bei Sonnenuntergang.
- Yaren-Strandabschnitt (Südküste): Der flache Küstenstreifen nahe dem Parlamentsgebäude und dem internationalen Flughafen ist leicht zugänglich und eignet sich gut für einen entspannten Spaziergang entlang der Küste. Allerdings ist dies kein klassischer Sandstrand, sondern eher eine flache Korallenplatte.
- Küstenfelsen der Ost- und Nordküste: An vielen Stellen entlang der Küste springen Einheimische bei Flut von den Korallenfelsen ins Meer. Für Ungeübte ist dies jedoch gefährlich – scharfkantige Korallen und unberechenbare Strömungen machen diese Stellen zu einer Herausforderung.
Wichtiger Hinweis: Das Korallenriff rund um Nauru ist an vielen Stellen extrem scharfkantig. Festes Schuhwerk (Wasserschuhe oder Badesandalen) wird dringend empfohlen. Wechselnde Gezeitenströme können tückisch sein – fragen Sie vor dem Baden immer Einheimische nach den sicheren Stellen.
🌴 Buada Lagoon – Ein grünes Juwel im Inselinneren
Rund 2 Kilometer von der Küste entfernt, im gleichnamigen Distrikt Buada, liegt die Buada Lagoon – die einzige natürliche Süßwasserfläche Naurus. Diese kleine, etwa 1,5 Hektar große Lagune ist ein abflussloser See, der in einer flachen Senke auf dem gehobenen Korallenkalkplateau liegt. Das Wasser ist brackig – eine Mischung aus Süß- und Salzwasser, deren Salzgehalt je nach Jahreszeit schwankt.
Die Ufer der Lagune sind von einer üppigen, fast dschungelartigen Vegetation gesäumt – ein willkommener Kontrast zur ansonsten eher kargen Landschaft der Insel. Brotfruchtbäume, Kokospalmen, Bananenstauden und Pandanus-Bäume spenden angenehmen Schatten und schaffen eine Oase der Ruhe. Hier leben der endemische Nauru-Rohrsänger (Acrocephalus rehsei) – der einzige endemische Landvogel der Insel – sowie der seltene Nauru-Flughund (Pteropus nauruensis). In der Lagune selbst wurden Tilapia und Guppys zur Mückenbekämpfung ausgesetzt.
Die Buada Lagoon hat eine große kulturelle und historische Bedeutung für die Nauruaner. Traditionell diente sie als Fischquelle, Trinkwasserreservoir und Badeplatz. Heute ist sie ein beliebter Ort für Picknicks und Spaziergänge – ein stilles Refugium abseits der Küste, das die ursprüngliche Vegetation der Insel erahnen lässt.
🕯️ Moqua Cave und Moqua Well – Unterirdische Geheimnisse
Im Distrikt Yaren, nahe dem internationalen Flughafen, verbirgt sich ein weiteres Naturwunder: die Moqua Cave. Dieses System aus natürlichen Kalksteinhöhlen entstand durch jahrtausendelange Auswaschung des gehobenen Korallenkalks und besteht aus mehreren Kammern, die durch enge Gänge miteinander verbunden sind. Im Inneren der Höhle befindet sich der Moqua Well – ein unterirdischer Süßwassersee von etwa 10 Metern Durchmesser und unbekannter Tiefe.
Die Höhle hat eine bewegte Geschichte: Während des Zweiten Weltkriegs diente sie den Einheimischen als Versteck und Schutzraum vor der japanischen Besatzung. Heute ist die Moqua Cave frei zugänglich, allerdings sind die Wege unmarkiert und der Boden ist oft rutschig. Eine Taschenlampe oder Stirnlampe ist für den Besuch unbedingt erforderlich. Das Baden im Moqua Well wird nicht mehr empfohlen, da die Wasserqualität unklar ist. Dennoch ist der Ort eine der faszinierendsten Natursehenswürdigkeiten Naurus und einen Abstecher unbedingt wert.
🐠 Korallenriffe und Unterwasserwelt
Nauru ist vollständig von einem schmalen, fringenden Korallenriff umgeben, das sich vom Strand aus etwa 50 bis 500 Meter ins Meer erstreckt, bevor es steil in die Tiefsee abfällt – die Insel ragt immerhin aus über 4.000 Metern Meerestiefe empor. Das Riff beherbergt eine beachtliche Vielfalt an Steinkorallen (Acropora, Porites, Favia) und Weichkorallen sowie eine bunte Gemeinschaft von Rifffischen.
Die besten Schnorchelplätze befinden sich:
- An der Nord- und Südseite der Anibare Bay (ruhiges Wasser, dichte Korallenformationen)
- An der Ostküste zwischen Anibare und Ijuw (einsam, unberührt)
- Direkt vor dem Menen Hotel in Meneng (gut zugänglich, aber Vorsicht vor Seeigeln)
Die Unterwasserwelt Naurus ist zwar nicht mehr so artenreich wie auf unberührten Pazifikinseln – historische Belastungen durch Sedimentabfluss vom Phosphatabbau und gelegentliche Korallenbleiche haben ihre Spuren hinterlassen – aber für Schnorchler und Naturliebhaber bietet das Riff dennoch ein farbenfrohes und faszinierendes Erlebnis. Papageienfische, Doktorfische, Falterfische, Kofferfische und gelegentlich Rochen und Schildkröten sind hier zu beobachten.
🤿 Tipps zum Schnorcheln
Beste Jahreszeit: April bis Oktober (trockenere Monate, ruhigere See, beste Sicht). Ausrüstung: Eigene Schnorchelausrüstung mitbringen – es gibt keine Tauchshops oder Verleiher auf der Insel. Schutz: Korallen nicht berühren, Sonnenschutz (reefsicher) und ausreichend Wasser mitnehmen.
🐦 Vogelwelt – Ein Paradies für Ornithologen
Trotz seiner geringen Größe beheimatet Nauru eine bemerkenswerte Vogelwelt. Der mit Abstand wichtigste Vogel ist der Nauru-Rohrsänger (Acrocephalus rehsei) – der einzige endemische Landvogel der Insel und eine der seltensten Vogelarten Mikronesiens. Sein Bestand wird auf 2.000 bis 5.000 Individuen geschätzt und die IUCN stuft ihn als „gefährdet" ein. Der unscheinbare, bräunliche Singvogel ist am besten in der dichten Vegetation rund um die Buada Lagoon und entlang der Küste zu beobachten.
Weitere häufig gesichtete Vögel sind:
- Großer Fregattvogel (Fregata minor): Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,3 Metern einer der beeindruckendsten Vögel der Region. Besonders gut an der Ostküste zu beobachten, wo er hoch in den Thermiken kreist.
- Schwarznoddi (Anous minutus) und Weißkappennoddi (Anous stolidus): Die häufigsten Seeschwalbenarten Naurus, die in Kolonien auf den Korallenfelsen der Küste nisten.
- Feenseeschwalbe (Gygis alba): Ein reinweißer, zarter Vogel, der elegant über der Küste schwebt.
- Riffreiher (Egretta sacra): Kommt in grauer und weißer Farbmorphe vor und ist oft bei der Nahrungssuche an der Küste zu sehen.
Während der Zugzeiten (März bis Mai und September bis November) nutzen zahlreiche Watvögel Nauru als Rastplatz, darunter der Sibirische Goldregenpfeifer und der Wanderregenpfeifer.
⛰️ Die Topside – Mondlandschaft der Superlative
Das innere Plateau der Insel, von den Einheimischen „die Topside" genannt, ist ein ebenso faszinierendes wie verstörendes Naturphänomen. Nach Jahrzehnten des Phosphatabbaus (1906 bis in die 2000er Jahre) hat sich das ehemals üppige Regenwaldplateau in eine bizarre Karstlandschaft aus spitzen, bis zu fünf Meter hohen Kalknadeln („Pinnacles") und leeren Becken verwandelt. Dieses surreale Terrain wird oft als „Mondlandschaft" beschrieben und ist auf Nauru einzigartig.
Der höchste Punkt der Insel, der Command Ridge (Janor) mit 65 Metern über dem Meeresspiegel, liegt auf der Topside und bietet einen spektakulären Panoramablick über die gesamte Insel und den Pazifik. Hier befinden sich auch Überreste japanischer Kanonen und Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Aufstieg lohnt sich vor allem am späten Nachmittag, wenn die Sonne die bizarre Kalklandschaft in ein warmes, goldenes Licht taucht.
Heute laufen auf der Topside Aufforstungsprojekte, um die Biodiversität der Insel wiederherzustellen. Besucher sollten festes Schuhwerk tragen und sich am besten von einem einheimischen Guide begleiten lassen – die unbefestigten Straßen sind ohne Allradfahrzeug kaum zu bewältigen.
📌 Praxistipps für Naturliebhaber
Was Sie einpacken sollten: Schnorchelausrüstung, Wasserschuhe (gegen scharfkantige Korallen), Stirnlampe (für die Moqua Cave), Sonnencreme (reefsicher), Insektenschutzmittel, Kopfbedeckung und ausreichend Trinkwasser. Ein gutes Fernglas lohnt sich für die Vogelbeobachtung.
Die Natur Naurus ist zerbrechlich und einzigartig. Helfen Sie mit, sie zu schützen: Nehmen Sie Ihren Müll wieder mit, berühren Sie keine Korallen und respektieren Sie die traditionellen Nutzungsregeln der Einheimischen. So bleibt Nauru auch für kommende Besucher ein unvergessliches Paradies.